Besichtigung des Pumpspeicherwerkes Niederwartha
Auch für dieses Jahr hatte unser Burkhard Hollwitz wieder
eine interessante Exkursion für den Verein organisiert.
Die Anreise zur ersten Vereinsexkursion im Jahr 2008 fand
mit drei verschiedenen Beförderungsmitteln statt. Etwa die Hälfte der
Teilnehmer fand sich, wie angesagt am Treffpunkt Postplatz ein, um mit dem öffentlichen
Verkehrsmittel der Buslinie 94 um 13:04 Uhr zu starten. Diese Anreise verlief
auch nahezu reibungslos, wenn man von einem kurzen vorzeitigem Verlassen des
Busses eine Haltestelle vor dem Ziel der Endhaltestelle Niederwartha, absieht.
Jeder denkt eben, es wird schon richtig sein, also mit raus. Aber Dank der
Bruni, die noch den Fahrer aufhielt (er ahnte schon unser Ziel), konnte eine
Wanderung am Straßenrand bei Sauwetter noch vermieden werden. Ein weiterer Teil
der Vereinsmitglieder kam per PKW und das Vereinsmitglied
Dieter Krumbiegel natürlich ganz umweltfreundlich mit seinem Fahrrad.
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Wir konnten also pünktlich in den Vortragsraum des
Pumpspeicherwerkes einrücken. Dort konnte
uns, nach entsprechender technischer Hilfestellung durch das Vereinsmitglied
Christian Pfähler, der Film über Wasserkraftwerke gezeigt werden.
Nach dem Film wurden uns noch Fragen zum Pumpspeicherwerk
beantwortet, dann ging es schon in das Maschinenhaus und dort gab es große
Technik pur zu sehen und zu hören, denn es war gerade Pumpbetrieb mit zwei
Maschinen.
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Das Pumpspeicherwerk Niederwartha war eines
der ersten verwirklichten Pumpspeicherkraftwerke im Großmaßstab. Das PSW
Niederwartha wurde von 1927-1930 mit vier Pumpspeichersätzen errichtet.
1945 wurde das Kraftwerk von der Sowjetunion als Reparation nach dem 2. Weltkrieg demontiert.
Der heutige Ausbauzustand mit insgesamt sechs
Pumpspeichersätzen wurde im Jahre 1960 geschaffen.
Es hatte damit eine Nennleistung von 120 Megawatt.
Im Jahr 2002
zur Jahrhundertflut der Elbe war auch das Maschinenhaus voll gelaufen.
Danach wurden zwei Maschinensätze durch Trocknung vor Ort und teilweiser
neuer Isolierung des Motor-Generators wieder in Betrieb genommen.
Die Öffnungen im Maschinenhaus durch die das Elbwasser eingedrungen war
sind seit dem fest verschlossen.
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Pumpspeicher-Kraftwerke
arbeiten nach dem gleichen Erzeugungsprinzip wie Speicherkraftwerke. Dabei
nutzen sie überschüssigen Strom, der von den Grundlast-Kraftwerken der VEAG in
Zeiten niedrigen Strombedarfs erzeugt wird. Mit seiner Hilfe werden elektrische
Pumpen angetrieben, die Wasser aus einem Unterbecken durch Rohrleitungen in ein
Oberbecken transportieren. Das dort gespeicherte Wasser wird bei plötzlich
steigendem Strombedarf auf umgekehrten
Wege wieder durch die Rohrleitungen geleitet und treibt die Turbinen an. Auf
diese Weise kann innerhalb kürzester Zeit Elektroenergie zur Abdeckung des
Spitzenbedarfs zur Verfügung gestellt werden. Pumpspeicher-Kraftwerke erfüllen
damit nicht nur eine wichtige Aufgabe zur Sicherung der Energieversorgung in
Spitzenlastzeiten; sie ermöglichen zugleich die Nutzung von Energie aus den
Grundlast-Kraftwerken für den Mittel- und Spitzenlastbereich und unterstützen
so eine wirtschaftliche und wettbewerbsfähige Verstromung der ostdeutschen
Braunkohle.
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Oberbecken: Es ist ohne natürlichen Zufluss in einem durch
einen 42 m hohen Staudamm
abgeriegelten Tal entstanden. Der Stausee hat eine Fläche von 30 ha, ist
einen Kilometer lang und hat einen Wasserinhalt von 2,9 Mio. m³. Die Stauhöhe
schwankt bis zu 9,5 m.
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Hangrohrleitung: Zwischen Oberbecken und Maschinenhaus sind
drei Rohrleitungen verlegt. Sie haben einen Durchmesser von 2,5 bis 3,5 m,
eine Länge von 1.920 m und eine max. Neigung von 16,4°.
Die Rohrleitungen überwinden eine Höhe von 138 m, die in sie eingefügten
Wasserschlösser haben eine Höhe von 36 m und einen Durchmesser von 17 m.

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Unterbecken: Es hat keinen natürlichen Zufluss und wird durch einen
2.450 m langen und 6 m hohen Ringdamm gebildet. Das Unterbecken hat eine Fläche
von 44 ha und einen Wasserinhalt von 2,5 Mio.m³. Die Stauhöhe schwankt bis zu
4,6 m. Das Arbeitswasser wird durch Überpumpen von Wasser aus Brunnen, die von
Grundwasser der Elbe gespeist werden, gewonnen.
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Maschinenhaus:
Es ist 120 m lang, 28 m breit und 31 m hoch.
In Ihm sind sechs Pumpensätze mit waagerechter Welle und verschiedene
elektro- und maschinentechnische Anlagen untergebracht. |
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Hauptmaschinensatz: Ein Pumpspeichersatz ist 21,5 m lang. Auf der mit
374 Umdrehungen/Minute drehende Welle sind nebeneinander angeordnet:
Speicherpumpe, Anwurfturbine, Kupplung, Motor-Generator und Hauptturbine.
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Motor-Generator: Diese Synchronmaschine wird entweder als
Generator (Umwandlung
mechanischer Antriebsenergie in elektrische Energie) oder als Motor
(Umwandlung elektrischer Energie in mechanische Antriebsenergie) betrieben.
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Hauptturbine: Mit dieser Francisturbine wird das im
Oberbecken als potentielle Energie gespeicherte Wasser in mechanische Energie
zum Antrieb des Generators umgewandelt: Energieerzeugung
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Kupplung: Die Zahnkupplung dient zur Verbindung von
Motor-Generator und Speicher-pumpe. Im Turbinenbetrieb wird die nicht benötigte
Speicherpumpe abgekuppelt, um Verschleiß und Verluste zu reduzieren.
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Anwurfturbine: Mit dieser Peltonturbine wird die Speicherpumpe auf
die gleiche Drehzahl beschleunigt wie der Motor-Generator, um die Zahnkupplung
einrücken zu können.
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Speicherpumpe: Mit dieser Fracis-Pumpe, angetrieben vom
Motor(-Generator), wird das Wasser aus dem Unterbecken in das Oberbecken gefördert
und dort als potentielle Energie gespeichert: Energiespeicherung
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Leitungszu- und –abführung: Die Leistungsabführung
(Energieerzeugung) erfolgt von den (Motor)
Generatoren über Transformatoren und Kabel zu dem unweit befindlichen
Umspannwerk Niederwartha. Für die Leistungszuführung
(Energiespeicherung) fliest der Strom in umgekehrter Richtung. Die
Spannung am Motor-Generator beträgt 10.500 Volt.
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Leittechnik: Mittels Leittechnik
werden die Pumpensätze des Kraftwerkes automatisch
angefahren, in
andere Betriebszustände überführt, während des Betriebes überwacht,
Unregelmäßigkeiten gemeldet und
bei ernsthaften Störungen abgestellt.
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Weitere
technische Daten sollen hier noch genannt und erläutert werden:
Die Anfahrzeiten vom
Stillstand auf Turbinenbetrieb beträgt nur 170 Sek.
Die Anfahrzeit vom
Stillstand auf Pumpbetrieb beträgt 430 Sek.
Der Turbinen -
Nenndurchfluss beträgt 18 m³/s.
Der Pumpen – Nennförderstrom
aber nur 11 m³/s.
Die Nennleistung für
den Turbinenbetrieb beträgt wie für den Pumpbetrieb 20 MW.
Der Wirkungsgrad
liegt damit bei 61 %. Neuere Anlagen kommen aber schon auf etwa 80 %.
Aus diesem Grunde
ist schon daran gedacht neben dem Maschinenhaus zwei neue Pumpspeichersätze in
einem neuen Maschinenhaus zu installieren.
Die in den
Rohrleitungen eingefügten Wasserschlösser werden für den Druckausgleich bei
plötzlichem Wasserstopp vor dem Maschinenhaus (Schließen der Kugelschieber)
benötigt.
Das nach unten
fließende Wasser staut dann in die Wasserschlösser zurück bevor es in
das Oberbecken zurückfließt.
Text und Bilder: Monika und Friedrich Kutzsche
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