Technik

Zurück
Systemüberblick
System 22
System 27/29
System 34
System 50
System 56/58
EMD System 55
Teilämter
Systeme 64/65
OZ 100
ARM 20
TF-Technik
PCM-Technik

 

Die technischen Einrichtungen in unserem Fundus

In unserem Fundus haben wir Einrichtungen der Fernmeldetechnik, wie sie bis Ende 1997 auf dem Territorium Ostdeutschlands im Einsatz waren, wieder aufgestellt und große Mengen an Zubehör gelagert.

Auf einer Fläche von etwa 12 x 16 m wurden 11 freistehende Gestellreihen mit einer Länge von je 7,06 m errichtet, in die vorwiegend Einrichtungen der Vermittlungs- und Übertragungstechnik sowie des Zugangsnetzes montiert wurden. Flankiert werden die Gestellreihen von zwei Regalfronten mit insgesamt 20 m Länge und 4 m Höhe zur Aufnahme des technischen Zubehörs (Endgeräte, Mess- und Prüfgeräte, Kabel usw.).

Den wesentlichen Teil unserer Sammlungen bilden die Einrichtungen der elektromechanischen Vermittlungstechnik sowie der TF- bzw. PCM-Übertragungstechnik.

Elektromechanische Vermittlungstechnik

Bei der Reichspost, der Deutschen Post und auch bei der Bundespost wurden die elektromechanischen Vermittlungssysteme nach dem Abschlussjahr ihrer Entwicklung bezeichnet. Also, das Vermittlungssystem 22, Entwicklungsabschluss 1922, kurz “S 22”. 

Übersicht der in Deutschland seit Beginn der Automatisierung eingesetzten Systeme

Folgende Systeme waren bis zur Wende und zum Teil bis Ende 1996 im Einsatz:

S 22, S 27/29, S 34, S 50, S 56, S 57, S 58, S 63, S 64/65, OZ 100 und ARM 20.

Darüber hinaus enthält unsere Sammlung Elemente des nur in der BRD eingesetzten Systems EMD 55 sowie Teile des digitalen Systems Alcatel S12.

Unsere Anlage mit der Demonstrationswand im Geschäftszimmer gehört zum System 50. Die Technik mit abgewandelter Schaltung kam in größeren Betrieben der DDR als Betriebstelefonanlage zum Einsatz 
(GWN-Anlage = Großwähl-Nebenstellen-Anlage). I. GW 50

Das nebenstehende Foto zeigt Elemente des am häufigsten verwendeten Systems 50. Abgebildet sind hier sogenannte I. Gruppenwähler, bestehend aus dem eigentlichen Hebdrehwähler und dem zugehörigen Steuerrelaissatz.

Von den Systemen S 22 und S 50 gab es jeweils noch eine verkleinerte Form, bezeichnet mit S 22 kl oder S 50 kl. Davon war das S 50 kl weit verbreitet. Sein Einsatz erfolgte vorwiegend in kleineren Ortschaften, da dort die Höhe der angemieteten Räume niedriger war. In der Handelsschifffahrt der DDR sowie in kleinen und mittleren Betrieben war eine abgewandelte Form weit verbreitet.

Das System 64 fällt ebenfalls in diese Kategorie. Es wurde auch im ländlichen Raum eingesetzt, aber auch bei der Armee oder im Katastrophenfall als mobile Einrichtung. Im Stadtgebiet von Dresden waren fünf dieser Container im Einsatz.

Übertragungstechnik

Niederfrequenz-Übertragungstechnik

Sollten Gespräche über große Entfernungen geführt werden, genügten Kupferleitungen ohne besondere Vorkehrungen nicht mehr den Anforderungen an Lautstärke und Verständlichkeit.  Je größer die Entfernung zwischen Sender und Empfänger ist, umso geringer ist das ankommende Signal. Hinzu kommt, dass höhere Frequenzen (3400 Hz) stärker bedämpft werden als niedrigere (300 Hz), oder, die Reichweite hoher Frequenzen ist geringer als die niedriger Frequenzen. 

Durch Einsatz von Spulen (so genannten Pupinspulen) in die Kupferleitung in regelmäßigen Abständen (etwa aller 1,7 km) wurde erreicht, dass hohe und niedrige Frequenz annähernd gleich bedämpft wurden. 

Mittels aktiver Elemente (das sind Verstärker, ausgestattet mit Elektronenröhren oder Halbleiterbauelementen) wurde der Signalpegel wieder auf den Ursprungswert angehoben. Durch Kettenschaltung von Verstärkern aller 50 – 70 km konnte nahezu jede Entfernung überbrückt werden. 

Zusätzlich zu den Verstärkern waren zahlreiche Zusatzeinrichtungen im Einsatz. Stellvertretend sind zu nennen Gabelschaltungen zur Richtungstrennung am Verstärkerstandort, Nachbildungen zur Verhinderung von Rückkopplungen, Entzerrer zur Begradigung der Frequenzganges und Rufeinrichtungen verschiedener Ausführung zur Übermittlung von Signalen. 

In der Sammlung befinden sich Einrichtungen mit Halbleiterbestückung wie

ENF II   ( Gabel, Nachbildung, Rufsatz)
AllVr IV (Verstärker, Entzerrer, Nachbildung, Rufsatz)
VNF      (Verstärker, Entzerrer, Nachbildung, Rufsatz)
NLT-Vr (negativer Leitungswiderstand)

Rundfunk-Übertragungstechnik 

Rundfunksignale (zwischen den Funkhäusern (Studios) und zwischen Studio und Sender) im Frequenzbereich von 50 Hz bis 15 kHz wurden bis in die 90er Jahre über Kabel übertragen. Auch hier helfen Spulen im Kabel, Verstärker und Entzerrer die für den Rundfunkbetrieb deutlich höheren Qualitätsanforderungen zu realisieren. Da Rundfunk wie eine Einbahnstraße funktioniert, sind keine Gabelschaltungen und Nachbildungen erforderlich.

Ein Kreuzschienen-Schaltfeld und ein Rundfunk-Leitungsverstärkergestell für Röhrenverstärker bereichern unsere Sammlung. 

Telegrafie-Übertragungstechnik 

Zur Telegrammübermittlung bedienten sich die Nachrichtenverwaltungen des Gentex-Netzes. Das war ein dienstliches Fernschreibnetz. Das öffentliche Pendant dazu war das Telex-Netz. Endgeräte für beide Netze waren Fernschreibmaschinen, die mittels Fernschreibleitungen und Fernschreibvermittlungen miteinander in Verbindung treten konnten. In der Fernschreibmaschine wurde für jeden Buchstaben/jedes Zeichen eine Impulsserie von 7 Impulsen erzeugt, die dann zur Empfangsmaschine übertragen wurde.

Gegenstand der Telegrafie-Übertragungstechnik war es, diese Impulstelegramme über große Entfernungen zu übertragen.  Realisiert wurde das u.a. mit Wechselstrom-Telegrafie-Einrichtungen. Bis zu 24 diskrete Frequenzen im Bereich von 300 Hz bis 3400 Hz wurden je mit Impulstelegrammen beim Sender getastet und beim Empfänger wieder in Impulstelegramme zurückverwandelt.

Wir können auf analoge Einrichtungen wie WT und WTT sowie auf digitale SZT zurückgreifen.

Trägerfrequenz-Übertragungstechnik

Diese Technik (auch als TF-Übertragungstechnik bezeichnet) diente dazu, die kostbaren Kupferleitungen mehrfach auszunutzen. Viele festeingestellte Sender arbeiteten in einem speziellen Frequenzband mit ebenso vielen fest eingestellten Empfängern zusammen. Da Verstärker (mit Röhren oder Transistoren) nur in einer Richtung arbeiten, waren dazu für Hin- und Rückleitung jeweils getrennte Übertragungswege erforderlich. Systeme für 12 und einem Mehrfachen davon waren im Einsatz. In der Sammlung sind (bis auf 2 Ausnahmen) nur Geräte mit Halbleitern als aktive Bauelemente vorhanden.

Die Verbindung erfolgte analog und gleichzeitig. Ein Problem war die erforderliche Stabilität der Sender und Empfänger.

PCM-Übertragungstechnik PCM 30

Diese Technik wurde bereits in der DDR angewandt und ist heutzutage Standard. Sie nutzte zunächst ebenfalls die Kupferleitungen mehrfach aus. Zum Einsatz kommen heute aber vorwiegend Lichtleitkabel. Im Gegensatz zur TF-Übertragungstechnik erfolgt hier die Übertragung digital und nacheinander, 
also nicht gleichzeitig. Allerdings geschieht das so schnell, dass es das menschliche Ohr, ähnlich wie beim Film das Auge, nicht wahrnimmt. Wie bei der TF-Übertragungstechnik sind hier ebenfalls getrennte Übertragungswege erforderlich.

Das Problem ist hier der unbedingte Gleichlauf der Takte zwischen den einzelnen Orten. Dieses Problem ist aber gut gelöst. Die PCM-Systeme gibt es von 30 Kanälen und Mehrfachen davon.

Das nebenstehende Foto zeigt ein PCM-30-System der ersten Generation (rechts), hier belegt ein System einen kompletten Gestellrahmen. Beim neueren System (links) können bereits vier PCM-30-Systeme in einem Gestellrahmen aufgenommen werden.